Einführung zum Schauspielschreiben

Ihr wollt also ein Schauspiel schreiben. Zuallererst, was ist das überhaupt? Im Grunde ist es ein Entwurf für eine Bühnenproduktion. Es wird von Schauspielerin aufgeführt und von anderen dirigiert, gestaltet und vielleicht auch choreographiert. Als Gemeinschaftskunst ist ein Skript der Meilenstein einer Produktion, dem die Schauspieler, Designer und Direktoren alle ihre Anweisungen entnehmen.

Ihr habt wahrscheinlich schon ein Schauspiel gesehen, wenn auch nicht auf einer Bühne, dann eines, das für das Fernsehen oder einen Film umgeschrieben wurde. Das seltsame an einem Schauspiel ist, dass es den Zuschauern realistisch erscheinen soll (damit ist gemeint: so etwas könnte passieren), aber natürlich wird es vollständig im Geist des Schreibers kreiert.

Wenn ihr jemals einen Blick auf den Text eines Schauspiels geworfen habt, dann werdet ihr gesehen haben, dass so ziemlich alles Dialog ist. Stöhnt nicht und denkt „Ich kann nicht so viel Gespräche schreiben!“ Denkt daran, dass Dialog genauso wie Prosa sein kann – es gibt kurze, angespannte Abschnitte, in denen Charaktere miteinander kämpfen, und andere, in denen sie blumig, verführerisch und poetisch sein können. Und wenn ihr gut mit dem Dialog zurechtkommt, nun, dann habt ihr euch die richtige Herausforderung ausgesucht!

Da ein Schauspiel aufgeführt werden soll, folgt es wegen Längenbegrenzungen und den Grenzen der Bühne einigen „Einheitlichkeiten“. Die Orte und Charaktere sind gewöhnlich in irgendeiner Weise begrenzt, entweder aus Gründen des Budgets oder um es den Zuschauern leichter zu machen ihnen zu folgen. Obwohl das Stück über eine Periode von 20 Jahren spielen kann, werden nur zwei Stunden dieser Geschichte in der „Echtzeit“ der Bühne gezeigt. Wenn ihr aber euren ersten Entwurf schreibt, ist es das Beste, euch nicht zu viele Gedanken darum zu machen, wie es aufgeführt werden wird. Es ist wichtiger eure Ideen auf die Seite zu bringen.

WIE IHR EUER STÜCK BEGINNT

Charaktere - ihr werdet ein paar haben wollen, oder ansonsten werden die Schauspieler sehr verwirrt sein, wenn sie zum Vorsprechen kommen. Beginnt mit den Grundlagen: Ihr Alter und ihre Beziehung zu einander. Ihr könnt eine Liste dieser Dinge machen (und ihr könnt die Wörter sogar mitzählen). Das ist als „Dramatis Personae“ oder Besetzung bekannt (später mehr zum Formatieren dieser Seite). Für euch selbst werdet ihr wissen wollen, was jeden dieser Charaktere antreibt: Ihre Ziele, ihre Ängste und alles, was ihr Glück bedroht.

Schauplatz – wo und wann wird euer Stück stattfinden? Macht euch keine Gedanken darum ein Set zu zeichnen, überlasst das den Designern. Alles, worum ihr euch kümmern müsst, ist euren Mitarbeitern die Informationen zu geben, die sie brauchen. Damit ist der Zeitraum gemeint, die Gegenstände, die auf der Bühne gebraucht werden (wie Möbel oder Türen, Fenster etc.), ebenso wie der Ort in der Welt. Ihr könnt auch hier und dort Hinweise auf den Stil eures Stücks machen. Ein Stück für Kinder könnte den Stil eines Cartoons haben, während ihr für euer Melodrama vielleicht einen Hauch Gothic haben wollt, um ein übernatürliches Element erahnen zu lassen.

Bühnenanweisungen - das kann für Neulinge ebenso wie für Profis sehr verwirrend sein. Bühnenanweisungen dienen dazu den Schauspielern, Designern und dem Direktor Hinweise darauf zu geben, was sich tatsächlich auf der Bühne ereignet. Sie sind nicht für die Zuschauer gedacht, die nie dazu kommen werden sie zu lesen.

Etwas Wichtiges, das man wissen sollte, ist, dass Bühnenanweisungen keine Erzählung ist. Nicht jede Handlung, jedes Outfit oder jede Ansicht eurer Charaktere muss beschrieben werden. Eine ausführliche Liste von allem, was sich auf der Bühne befindet, ist ebenfalls nicht nötig.

Nötig::

  • Einfache Beschreibung des Schauplatzes
  • Eingänge
  • Ausgänge
  • Morde
  • Physische Handlungen, die gemacht werden müssen, damit der Dialog Sinn macht
  • Angemessene Pausen im Dialog, sofern sie nicht mit Handlung gefüllt sind, die im Voraus erwähnt wird

Unnötig::

  • Tonfall oder Hinweise, wie etwas gesagt werden muss, für jede Zeile
  • Vollständige Beschreibung des Sets oder der Charaktere bis auf die grundlegendsten Beziehungen
  • Gedanken oder Pläne der Charaktere

Bühnenanweisungen gehen niemals auf das Innenleben der Charaktere oder Gegenstände auf der Bühne ein. In den meisten Fällen wird die eigentliche Handlung umso konzentrierter und fokussierter sein, desto weniger Anweisungen ihr habt.

Beispiel von akzeptablen Bühnenanweisungen zur Eröffnung eines Stücks:

            SZENE EINS
            (Ein abgeschiedenes Tal in einem dunklen Wald bei Sonnenuntergang. Es ist ein kalter Tag am Frühlingsanfang und die Blätter haben sich noch nicht entfaltet. JENNY kommt zitternd in einer dünnen Jacke herein. Sie ist dreiundzwanzig, schwach und sie keucht, als sie stehen bleibt, um zu Atem zu kommen.)

Ein Beispiel der Eröffnung eines Stücks, die viele Leser durch den Raum werfen würden:

            SZENE EINS
            (Eine dunkle und unheimliche Öffnung zwischen Bäumen im tiefsten Teil des Waldes außerhalb von Monmouth, NJ. Ein leichter Nebel hat sich einige Stunden zuvor aufgelöst, aber die Kälte und die Feuchtigkeit hängen immer noch an den noch nicht aufgeblühten Bäumen. Die Lichtung wurde in dem dichten, sommergrünen Ahorn- und Eichenwald hinterlassen, als ein von einem Blitz ausgelöstest Feuer vor ungefähr fünfzig Jahren durch den Wald raste und eine Hütte zerstörte, die an dieser Stelle gestanden hatte. Jetzt ist es ein Ort, an dem sich Jugendliche versammeln und an ihren niederen Altersgenossen schikanierende Rituale durchführen. Äste knacken und JENNY rennt herein, zu Tode erschreckt. Sie weiß, dass sie weiter rennen muss, aber ihr ist kalt und sie ist müde und sie trägt knappe Sandalen, die nicht gut an ihren Füßen bleiben. Trotzdem ist ihre Angst offensichtlich, als sie sich ihre dünne Jacke enger um den Hals zieht und den glitzernden Diamantanhänger bedeckt, den sie früher als Symbol ihrer tiefen und ehrlichen Liebe zu Howard geschätzt hatte, der jetzt zwei aufeinanderfolgende lebenslängliche Strafen im Gefängnis absaß…)

Auch wenn die Informationen im zweiten Beispiel vielleicht interessant sind, ist es nicht so, als könnten es die Zuschauer SEHEN und es gibt keinen Aufschluss darüber, was die Schauspielerin, die Jenny spielt, tatsächlich machen sollte, bis auf das, was im ersten Beispiel zu lesen war.

Macht euch keine Gedanken um Dinge wie vorne, hinten, links oder rechts auf der Bühne. Dirigiert eure Charaktere in Beziehung zu den Gegenständen, die ihr in eure Welt gesetzt habe, wie „BETH geht zum Kühlschrank“ oder „AMIR schließt das Fenster am Bett“.

Okay, ihr habt jetzt also die Grundlagen zusammen. Ihr habt die Szene aufgebaut und euer Stück in eurem Kopf besetzt. Jetzt geht es darum anzufangen.
PLOT

Die Freytag-Pyramide zeigt die grundlegendsten Strukturen des modernen Dramas. Es ist mehr eine Beobachtung an Stücken währen der Jahre und ist nur ein Leitfaden.

Freytag's Pyramid: Ignoriert sie… sie wird euch nur verwirren

Es gibt viele großartige Werke, die diese Form durchbrechen, aber auch viele, die sich nach ihr richten. Denkt auch daran, dass man sich nicht genau an sie halten muss. Jedes Bein der Pyramide kann sich nach Belieben zusammenziehen oder ausweiten. Einige Stücken enden beim Höhepunkt oder bei abfallender Handlung. Einige Stücke haben überhaupt keine Einführung. Vielleicht wollt ihr einfach vergessen, dass ihr das Diagramm gesehen habt und euch an Aristoteles’ Aufbau eines Stücks halten: ein Anfang, ein Mittelteil und ein Ende.

Einführung - Im klassischen Diagramm eines Dramenaufbaus beginnen die Dinge damit, dass man Informationen fallen lässt, um die Zuschauer auf den Stand der Dinge zu bringen. Das ist die Szene, in der die Hausmädchen die Bibliothek abstauben und über die bevorstehende Ankunft des seit langem abwesenden Herrn des Hauses sprechen oder vielleicht wandert ein Erzähler über die Bühne und stellt die Charaktere vor. Das liefert die Hintergrundgeschichte und den Zusammenhang des Stücks. So umständlich sie verständnismäßig auch zu sein scheinen, sind sie eine große Hilfe. Sie sagen uns, was wir nach Meinung des Autors über die Ereignisse vor Beginn des Stücks wissen müssen. Macht euch keine Gedanken darum wie unangenehm es ist, wenn ihr es das erste Mal schreibt, ihr könnt es später überarbeiten, um es auf die relevanten Dinge zu reduzieren. Ihr wisst wahrscheinlich sowieso nicht, was relevant ist, bis ihr DAS ENDE erreicht habt.

Wichtig und anzumerken ist, dass die Einführung an jeder Stelle eures Stücks gegeben werden kann – ihr müsst nicht alles zu Beginn erklären. Es ist essentiell euch daran zu erinnern WARUM euer Stück hier beginnt. Die Zuschauer wollen, dass schnell etwas passiert, also erzählt nur, was man in dem Moment wissen muss. Ihr könnt den Rest später hinzufügen… schafft etwas Spannung!

Okay, jetzt kommen wir zu etwas anderem. Wir haben unsere Hintergrundgeschichte und wir haben unseren Anfang… Was jetzt?

Anregendes Ereignis – dies setzt euer Stück auf der Straße zum Plot in Gang. Es ist die Herausforderung, in die der Charakter geworfen wird. Es setzt die Uhr in Gang. Es ist wahrscheinlich der Grund, aus dem ihr das Stück überhaupt schreiben wolltet.

Spannungsaufbau – das sind die Szenen, in denen ihr eure Geschichte aufbaut. In diesem Teil des Stücks werden Charaktere eingeführt und ausgearbeitet. Konflikte werden enthüllt und Loyalitäten erwägt.

Höhepunkt – der Moment, in dem die Dinge als Ergebnis irgendeiner Handlung, die in den vorangegangenen Szenen stattfand, nie mehr dieselben sein werden. Blätter wenden sich, Vermögen werden gewonnen, Lieben werden verloren. Die Zuschauer keuchen.

Spannungsabfall – man stellt sich den Konflikten und Herausforderungen der vorangegangenen Szenen und löst sie.

Wendepunkt – dies gibt es nicht in allen Stücken, aber dieser Moment ist gewöhnlich die Akzeptanz oder Zurückweisung von allem, das vorher vom Protagonisten gekommen ist.

Auflösung – h wie sich die Dinge am Ende auflösen. Gibt es eine Hochzeit oder ein Begräbnis?

Denkt ihr daran, was für eine Geschichte wollt ihr erzählen und was sind die besten „Szenen“, um die Geschichte darzustellen? Wie entscheidet ihr, welche Szenen ihr zeigt?

Drei Dinge treiben Interaktionen zwischen den Charakteren voran. Diese sind als die Elemente der Dramatischen Handlung bekannt.:

  • Erkenntnis – ein Charakter findet heraus, dass er adoptiert wurde. Wie verändert das was er glaubt? Was wird er deswegen tun?
  • Enthüllung – ein Charakter gibt zu, dass sie Zeuge des Mords geworden ist
  • Entscheidung – Ein Charakter beschließt sich scheiden zu lassen, weil ihr Ehemann keine Kinder zeugen kann

Szenen können jegliche Anzahl dieser Elemente miteinander kombinieren (verschiedene Charaktere können viele davon durchleben), die den Plot vorantreiben. Die Enthüllung des einen Charakters ist die Erkenntnis eines anderen. Zur gleichen Zeit definiert es ihre Charaktere, was die Personen mit der Information und den Richtungen, die sie deswegen einschlagen, machen. Das ist die Essenz der „Darstellung“ eines Charakters im Gegensatz dazu ihn zu erzählen.

Wie finden wir mehr über unsere Charaktere heraus:

  • Was andere Charaktere über sie sagen
  • Wie sie sich in der Gegenwart anderer Charaktere verhalten
  • Wie sie sich verhalten, wenn sie allein sind
  • Mit welchen Charakteren sie sich arrangieren
  • Was sie über andere Charaktere sagen
  • Wie sie sich anziehen (und wie sich die anderen Charaktere im Vergleich zu ihnen kleiden)

Abschließend noch ein Wort über den Stil. Es gibt viele Genres für Stücke und viele verschiedene Stile. Vieles davon wird dadurch bestimmt, wie das Stück zusammengesetzt ist. Komödien haben gewöhnlich ein glückliches Ende und kurze Dialoge. Dramen haben traurige Enden und können lange und streitlustige Passagen mit Dialog haben. Die Handlung, die ihr auf der Bühne darstellt, und die Reaktionen der Charaktere auf sie, bestimmen zum größten Teil den Stil. Wenn eure Charaktere singen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr euch ein Musical geschaffen habt.